Alles nach Plan

15/09/2010

Bin nun frischgebackene Klassenlehrerin einer netten 7. Klasse. Wir sehen uns in Zukunft häufiger, da ich in der Klasse drei Fächer unterrichte und eine Klassenlehrerstunde zur Verfügung habe. Bin gerade bei der Jahresplanung. Ist alles total aufregend und neu.

Ein Balladenabend mit Autorenportraits, Rezitationen und produktions- und handlungsorientiertem Umgang mit den Bildungsgütern ist bereits beschlossene Sache. Das Fach MUM steuert die Schnittchen bei, damit die geladenen Gäste nicht verhungern. Die Präsentation soll nämlich am nächsten Elternabend stattfinden. Find ich total clever. Das hat allerdings noch Zeit.

Nun überlege ich, ob ein Wochenarbeitsplan Sinn macht. Unsere Schule hat ein reformpädagogisches Profil und ein wichtiger Aspekt soll die Schulung des eigenverantwortlichen Arbeitens sein.

Es würden im Stundenplan Stunden ausgewiesen werden, an denen die Schüler sich aussuchen dürfen, wann sie die gestellten Aufgaben aus den drei Hauptfächern bearbeiten und welche Zusatzaufgaben sie lösen. Einige Kollegen arbeiten nach diesem Muster und sind total angetan. Die Kontrolle soll durch Lösungsblätter und durch ein Rückmeldeformular, das vom Lehrer ausgefüllt wird, gewährleistet werden.

Allerdings sind meine 7er pfiffige Schlamper, denen man meiner Einschätzung nach kontrollierend hinterherrennen muss und die einen belagern, weil sie die Aufgabenstellung nicht gründlich gelesen haben und nun eben gar nicht klar ist…

Was bringt also der Plan? Da kann ich doch gleich „normal“ unterrichten. Dann sag ich die die Dinge wenigstens nur dreimal.

Übrigens hab ich gestern eine fair gehandelte Klangschale aus Tibet für 32 Euro erstanden. Wenn mir das vor einem Jahr jemand gesagt hätte.

Schiller an der Realschule

26/10/2009

Seit Februar 2009 absolviere ich den Vorbereitungsdienst für das Realschullehramt in Baden-Württemberg. In dieser Zeit hat sich einiges angestaut, worüber Freunde und Familie nichts mehr hören wollen und man im Seminar oder unter Kollegen nicht sprechen darf.
Befinde mich gerade in einer typischen Situation. Am Montag nach den Ferien steht der letzte beratende Unterrichtsbesuch an und ich überlege seit drei Tagen, wie ich eine geniale Stunde zimmere, die genau dem Geschmack meines Fachberaters entspricht, nichts mit Rechtschreibung und Grammatik zu tun hat und bei meinem Rektor einen guten Eindruck hinterlässt. In den Seminarveranstaltungen lässt sich bekanntlich leicht reden. Wir lesen dort die Basisartikel aus „Praxis Deutsch“ zu den gängigen Themen und besprechen bzw. „behandeln“ durch Methoden die großen Linien der Deutschdidaktik. Dann sitze ich daheim und stehe vor der Aufgabe eine Stunde bzw. eine Einheit konkret zu planen. Siegessicher habe ich bereits vor Wochen Karten für eine Schillercollage im Theater für meine 8er bestellt. Und angeberisch allen erzählt, Schiller sei in der Realschule durchaus machbar, ja sogar ein Muss. Insbesondere im Schillerjahr 2009. Pustekuchen. Jetzt grüble ich darüber nach, welche Ballade ich mit welchem Abschnitt seiner Biographie kombinieren kann und ob das Lied „Schiller“ von den „Wise Guys“ auch noch in 45 Minuten unterzubringen ist. An ein Drama von Schiller wage ich mich nach meiner Erfahrung bzw. der Schwierigkeiten beim Verständnis moderner Kurzgeschichten gerade nicht.

Hello world!

26/10/2009

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